Episodesammendrag
Ballaststoffe stehen plötzlich vorn auf der Packung: auf Proteinriegeln, Brotaufstrichen, Getränken. Lange waren sie eine Randnotiz auf dem Nährwertetikett. Hinter dem Hype steckt eine echte Lücke – die DGE nennt 30 Gramm am Tag als Ziel, im Durchschnitt landen rund 20 Gramm auf dem Teller. Aber Ballaststoff ist nicht gleich Ballaststoff. Was er im Körper bewirkt, hängt von seinem Aufbau ab. Und ausgerechnet der Stoff, der in vielen dieser Produkte steckt, ist kaum jemandem ein Begriff: Inulin. Daniel Wefers ist Professor für Lebensmittelchemie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und forscht an genau diesen Kohlenhydraten. Im Gespräch erklärt er, was ein Ballaststoff eigentlich ist: ein Kohlenhydrat, das Magen und Dünndarm nicht spalten können. Es kommt unverdaut im Dickdarm an, wo Bakterien es fermentieren und dabei kurzkettige Fettsäuren bilden. Das ist der Teil, den man mit positiven Effekten verbindet. Inulin steht im Mittelpunkt der Folge. Es wird vor allem aus der Chicorée-Wurzel gewonnen,…
Ballaststoffe stehen plötzlich vorn auf der Packung: auf Proteinriegeln, Brotaufstrichen, Getränken. Lange waren sie eine Randnotiz auf dem Nährwertetikett. Hinter dem Hype steckt eine echte Lücke – die DGE nennt 30 Gramm am Tag als Ziel, im Durchschnitt landen rund 20 Gramm auf dem Teller. Aber Ballaststoff ist nicht gleich Ballaststoff. Was er im Körper bewirkt, hängt von seinem Aufbau ab. Und ausgerechnet der Stoff, der in vielen dieser Produkte steckt, ist kaum jemandem ein Begriff: Inulin. Daniel Wefers ist Professor für Lebensmittelchemie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und forscht an genau diesen Kohlenhydraten. Im Gespräch erklärt er, was ein Ballaststoff eigentlich ist: ein Kohlenhydrat, das Magen und Dünndarm nicht spalten können. Es kommt unverdaut im Dickdarm an, wo Bakterien es fermentieren und dabei kurzkettige Fettsäuren bilden. Das ist der Teil, den man mit positiven Effekten verbindet. Inulin steht im Mittelpunkt der Folge. Es wird vor allem aus der Chicorée-Wurzel gewonnen,…
Episoder
#80 Ballaststoffe: Das steckt hinter dem Hype mit Daniel Wefers
Lyttet tilBallaststoffe stehen plötzlich vorn auf der Packung: auf Proteinriegeln, Brotaufstrichen, Getränken. Lange waren sie eine Randnotiz auf dem Nährwertetikett. Hinter dem Hype steckt eine echte Lücke – die DGE nennt 30 Gramm am Tag als Ziel, im Durchschnitt landen rund 20 Gramm auf dem Teller. Aber Ballaststoff ist nicht gleich Ballaststoff. Was er im Körper bewirkt, hängt von seinem Aufbau ab. Und ausgerechnet der Stoff, der in vielen dieser Produkte steckt, ist kaum jemandem ein Begriff: Inulin. Daniel Wefers ist Professor für Lebensmittelchemie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und forscht an genau diesen Kohlenhydraten. Im Gespräch erklärt er, was ein Ballaststoff eigentlich ist: ein Kohlenhydrat, das Magen und Dünndarm nicht spalten können. Es kommt unverdaut im Dickdarm an, wo Bakterien es fermentieren und dabei kurzkettige Fettsäuren bilden. Das ist der Teil, den man mit positiven Effekten verbindet. Inulin steht im Mittelpunkt der Folge. Es wird vor allem aus der Chicorée-Wurzel gewonnen,…
#79 Das kommt beim Storyteller auf den Teller mit Sebastian H. Schröder
Lyttet tilEine Firmengeschichte, in der immer alles glattlief, ist meistens nicht wahr. Gute Geschichten über Essen erzählen von Höhen und Tiefen und von dem Kampf, der nötig war, um dort anzukommen, wo man heute steht. Erst da zeigt sich, ob hinter einem Produkt Überzeugung steckt oder nur Werbung. Sebastian H. Schröder ist Journalist und Host von Foodsteps, dem Nachhaltigkeitspodcast des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE). Ernährungsprofi ist er nach eigener Aussage nicht, seine Ressorts sind Gesellschaft, Politik und Kultur. Zehn Jahre hat er in der Werbung gearbeitet. Deshalb merkt er sofort, wenn eine Marke „seit 1899" auf die Packung schreibt, es die Firma aber erst seit fünf Jahren gibt. Sein Test für jede Gründungsgeschichte ist simpel: Erzähl mir von deinem tiefsten Punkt. Drei seiner Geschichten hat er mitgebracht. In Hamburg entwickelt ein Paar mit dem befreundeten Metzgerehepaar von nebenan eine Hybridwurst aus Fleisch und Lupine. Küchenchefs in der Gemeinschaftsverpflegung sind nach dem ersten Bissen…
#78 Materie, Matrix, Mundgefühl: Die Physik des Essens mit Thomas Vilgis
Lyttet tilZwei Minuten zu lang im Topf, und aus al dente wird Brei. Thomas Vilgis erklärt, warum das kein Geschmacksproblem ist, sondern ein Materialproblem – und warum die Industrie genau an dieser Stelle ihre teuersten Fehler macht. Vilgis ist Physiker. Er leitet am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz die Arbeitsgruppe Soft Matter Food Physics und lehrt Theoretische Physik an der Universität Mainz. Sein Gegenstand ist weiche Materie: alles, was sich mit bloßen Händen verformen lässt. Fruchtgummi gehört dazu, Mayonnaise, Käse – und die gekochte Nudel. Die trockene Spaghetti dagegen ist physikalisch ein Glas, sie bricht wie ein Glasstab. Beim Kochen durchläuft sie einen Glas-Gummi-Übergang. Genau den empfinden wir als al dente. Von dort führt das Gespräch in die Produktentwicklung. Rund neun von zehn Produkteinführungen scheitern. Vilgis verortet die Ursache meist in der Textur, selten im Geschmack allein – und am häufigsten bei einem Faktor, den kaum jemand misst: Reibung. Wie gleitet ein Lebensmittel…
#77 Die Konditorei: Was heute zählt, was morgen kommt - mit Betty Schliephake-Burchardt
Lyttet tilVier Euro für ein Croissant in Berlin, keine zwei in Paris – und das Berliner kommt oft aus der Tiefkühltruhe. Wer wissen will, woran er im Café überhaupt noch erkennt, was er da kauft, bekommt hier Antworten von jemandem, der das Handwerk von innen kennt. Bettina „Betty" Schliephake-Burchardt ist Konditormeisterin, Schokoladen-Sommelière und seit über zehn Jahren Jurorin bei „Das große Backen". Seit 2025 ist sie Präsidentin des Deutschen Konditorenbundes – als erste Frau an der Spitze eines Verbands mit rund 3.500 Betrieben. Der erste Aha-Moment kommt früh: Nicht jedes Café ist eine Konditorei. Die Frühstückslokale mit Avocado, Sauerteig und Cheesecake sind meistens Gastronomie, nicht Handwerk. Betty erklärt, woran man den Unterschied erkennt – am Baumkuchen im Wappen, an der Brezel mit den Löwen, und vor allem an der Frage, die kaum jemand stellt: Backt ihr das selbst? Bei der Kennzeichnung wird es unbequem. Im Handel muss jede Zutat deklariert werden, in der Theke reichen die Allergene. Mehr Vorschriften…
#76 Bitter – der unterschätzte Geschmack mit Maik Behrens
Lyttet tilÜber Süße reden alle. Über Bitter fast niemand – dabei hat kein anderer Geschmack so lange darüber entschieden, was der Mensch schluckt und was er wieder ausspuckt. Maik Behrens leitet am Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie die Arbeitsgruppe Taste & Odor Systems Reception. Er erforscht Bitterrezeptoren auf molekularer Ebene – und benutzt dabei die menschliche Zunge so selten wie möglich. Der Grund ist banal: Wer Strychnin vermessen will, kann es keinem Sensorik-Panel vorsetzen. Stattdessen arbeitet sein Labor mit dem, was die Presse gern künstliche Zunge nennt. Menschliche Bitterrezeptoren wandern in Zellkulturen, die mit Geschmack nichts zu tun haben. In Testschalen mit 96 Vertiefungen misst eine Maschine, ab welcher Konzentration ein Rezeptor anspringt. Eine Viertelstunde pro Durchgang, am Ende steht eine exakte Zahl – etwas, das ein menschlicher Proband nie liefern kann. Dass Menschen so unterschiedlich schmecken, zeigt Behrens am Rezeptor TAS2R38. Rund 70 Prozent der Europäerinnen und…